Telepolis – #Gewalt und #Computerspiele Teil 4

Games Don’t Kill

Games Don’t Kill

Geschichte(n) und Debatte(n) von Medium und Zensur – Teil 4: Teil: Normalisierung und Wiederholung

Nach jeder Gewalttat von Jungendlichen entbrennt sofort die Frage nach den Gründen dafür. Seit einigen Jahren werden vor allem Computerspiele zuerst genannt, wenn es darum geht, ein “Vorbild” für irrationale Gewaltausbrüche Jugendlicher zu finden. In einem vierteiligen Essay stellt Telepolis-Autor und Medienwissenschaftler Stefan Höltgen die Anfänge dieser Debatte, entscheidende Zensurmaßnahmen, Positionen von Gegnern und Befürwortern und den Sinn der Diskussion über “Killerspiele” dar.

In den ersten drei Teilen des Essays habe ich versucht, die Geschichte der Gewaltdarstellung in Video- und Computerspielen aus der Technologiegeschichte des Computers herzuleiten, habe an Beispielen die Argumentation von deutschen Zensurinstanzen vorgestellt und schließlich den Diskurs “Killerspiele” in Deutschland, wie er durch wissenschaftliche und politische Akteure geführt wird, umrissen. Entscheidend erschien mir, darauf hinzuweisen, dass ein Totalverbot und ebenso ein Abbruch der Debatte über mediale Gewaltdarstellung (nicht nur im Computerspiel) kontraproduktiv ist. Im Folgenden möchte ich die Gründe für diese Behauptung vorstellen und greife dazu vor allem auf die Forschungen von Jörn Ahrens zurück, mit dem ich im vergangenen Jahr ein Interview zum Thema Amoklauf und Computerspiele bei Telepolis geführt hatte. (Die folgenden Zitate stammen aus diesem Interview)

Gewalt und Gesellschaft

Gewalt gehört zur Gesellschaft, sie findet staatlich kanalisiert und geordnet statt – aber auch ungeordnet, als Gesetzesverstoß und damit moralisches Problem. Gesellschaft kann sich nur dann konstituieren und fortbestehen, wenn es ihr gelingt, diese zweite Art der – nicht legitimen – Gewalt im Zaum zu halten oder sie – wenn sie einmal passiert ist – wieder in den Gesellschaftsprozess zu integrieren. Dies erreicht sie über den Weg der “Normalisierung”. Der Kulturwissenschaftler Jörn Ahrens untersucht Phänomene wie den Amoklauf und andere extreme Gewaltausbrüche in Gesellschaften vor dem Hintergrund dieses sozialphilosophischen und diskursanalytischen Konzeptes: mehr

Teil 1
Teil 2
Teil 3

Did you like this? Share it: